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Selbstfürsorge lernen: 10 Übungen, die im Alltag wirklich funktionieren

Du kümmerst dich um deine Familie, dein Team, deine Klientinnen und Klienten – und irgendwann merkst du, dass für dich selbst nichts übrig bleibt.
Selbstfürsorge ist kein Wellness-Programm. Sie ist eine Fähigkeit, die man lernen kann – gerade dann, wenn es stressig ist. In diesem Artikel erfährst du, was Selbstfürsorge wirklich bedeutet, warum sie so vielen Menschen schwerfällt und mit welchen zehn Übungen du heute beginnen kannst.
Was ist Selbstfürsorge?
Selbstfürsorge bedeutet, die eigenen körperlichen, seelischen und sozialen Bedürfnisse wahrzunehmen und verantwortungsvoll für sie zu sorgen.
WICHTIG: Selbstfürsorge ist nicht Egoismus!
Egoismus nimmt sich etwas auf Kosten anderer. Selbstfürsorge sorgt dafür, dass du für andere überhaupt da sein kannst.
Warum Selbstfürsorge so schwerfällt: die Rolle der Glaubenssätze
Die meisten Menschen wissen, dass sie mehr auf sich achten sollten. Woran es scheitert, ist selten das Wissen, sondern innere Überzeugungen, die oft schon in der Kindheit entstanden sind. Diese Sätze sind besonders häufig:
- „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“
- „Ich darf erst Pause machen, wenn alles erledigt ist.“
- „Wenn ich Nein sage, mögen mich die anderen nicht mehr.“
- „Stark sein heißt, keine Hilfe zu brauchen.“
Solche Sätze wirken wie ein innerer Autopilot. Der erste Schritt ist daher nicht eine neue Routine, sondern die Frage: Welcher Satz hält mich davon ab, gut für mich zu sorgen?
Warnsignale: Woran du merkst, dass du dich vernachlässigst
Mangelnde Selbstfürsorge zeigt sich selten auf einen Schlag, sondern in kleinen Signalen. Prüfe ehrlich, was davon auf dich zutrifft:
- Du schläfst schlecht oder wachst schon müde auf.
- Kleinigkeiten bringen dich aus der Ruhe.
- Hobbys und Freundschaften kommen seit Wochen zu kurz.
- Du sagst Ja, obwohl du Nein meinst.
- Du isst nebenbei, schnell oder unregelmäßig.
- Dein Körper meldet sich mit Verspannungen, Kopfschmerzen oder häufigen Infekten.
Treffen drei oder mehr Punkte zu, ist das ein deutlicher Hinweis, gegenzusteuern.
Selbstfürsorge lernen: 10 Übungen für den Alltag
Die folgenden Übungen brauchen keine freie Woche, sondern nur wenige Minuten. Wähle zwei aus und probiere sie sieben Tage lang – das ist wirksamer als zehn Vorsätze auf einmal.
- Der Morgen-Check-in (2 Minuten): Frag dich vor dem ersten Blick aufs Handy: Wie geht es mir heute – körperlich, gedanklich, emotional? Was brauche ich, damit der Tag gut wird?
- Die 4-6-Atmung (1 Minute): Vier Sekunden einatmen, sechs Sekunden ausatmen. Das verlängerte Ausatmen signalisiert dem Nervensystem Entspannung und hilft, in Stressmomenten wieder klar zu denken.
- Mikropausen einplanen: Trag Pausen wie Termine in den Kalender ein. Schon fünf Minuten am Fenster oder ein kurzer Gang ums Haus unterbrechen den Stresskreislauf.
- Die Stopp-Frage: Bevor du zusagst, frag dich: „Will ich das – oder glaube ich nur, dass ich muss?“ Antworte, wenn nötig, erst nach einer Bedenkzeit.
- Gedanken-Parkplatz: Schreib abends alles auf, was dich noch beschäftigt. Was auf Papier steht, muss der Kopf nicht mehr festhalten.
- Der freundliche innere Dialog: Sprich mit dir so, wie du mit einer guten Freundin sprechen würdest. Ersetze „Das hätte ich besser machen müssen“ durch „Ich habe getan, was heute möglich war.“
- Energiebilanz ziehen: Notiere eine Woche lang, welche Tätigkeiten und Begegnungen dir Kraft geben und welche Kraft kosten. Daraus ergibt sich, wo du etwas ändern kannst.
- Bewegung ohne Leistungsdruck: Ein Spaziergang zählt. Es geht nicht um Trainingsziele, sondern darum, Anspannung aus dem Körper zu lassen.
- Digitale Auszeiten: Leg handyfreie Zeiten fest, etwa die erste halbe Stunde nach dem Aufstehen und die letzte vor dem Schlafen.
- Das Tagesende würdigen: Notiere drei Dinge, die heute gelungen sind oder dir gutgetan haben. Das lenkt den Blick von dem, was fehlt, auf das, was trägt.
Selbstfürsorge in Konflikten: Grenzen setzen und Nein sagen
Grenzen setzen heißt, klar zu sein – freundlich in der Haltung, eindeutig in der Sache. Drei Schritte helfen dabei:
- Wahrnehmen: Achte auf deine Körpersignale. Ein Engegefühl, ein flauer Magen oder ein innerliches „Schon wieder“ zeigen, dass eine Grenze berührt ist.
- Benennen: Sprich in Ich-Botschaften: „Ich merke, dass mir das heute zu viel wird.“
- Anbieten statt rechtfertigen: Ein Nein braucht keine lange Begründung. Wenn du möchtest, ergänze eine Alternative: „Diese Woche nicht, aber nächsten Dienstag kann ich mir eine Stunde nehmen.“
Häufige Fragen zur Selbstfürsorge
Wie fange ich mit Selbstfürsorge an?
Beginne klein: mit einer einzigen Übung, die du täglich zur gleichen Zeit machst, etwa dem Morgen-Check-in. Regelmäßigkeit ist wichtiger als Umfang.
Wie viel Zeit brauche ich für Selbstfürsorge?
Schon fünf bis zehn Minuten am Tag machen einen spürbaren Unterschied.
Fazit: Selbstfürsorge ist eine Entscheidung, die du jeden Tag neu triffst
Wähle heute eine Übung aus diesem Artikel und probiere sie eine Woche lang aus.
Du möchtest tiefer gehen? Wenn du hinderliche Muster erkennen und nachhaltig verändern möchtest, begleite ich dich gerne dabei – im Coaching, im Mentaltraining oder in der psychosozialen Beratung, in Vösendorf oder online.